#7 Meine ersten Impressionen aus der Schule

Letzte Woche Dienstag ging es für mich dann auch endlich in die Schule. Ich wurde super herzlich und von vielen neugierigen Kinderaugen begrüßt. Da ich die erste Freiwillige an der Schule bin, musste erst mal abgesprochen werden wie die nächsten Tage aussehen sollten.

Die Swakop Primary School besteht aus Preschool, Lower Primary (1-4) und Upper Primary (5-7). Von den knapp über 1.000 Schülern leben ungefähr 80 Prozent im Township. Vorallem der Mix an der Schule gefällt mir so gut! Außerdem gibt es zwei Klassen mit Learning Support und eine Klasse für Taubstumme. Das Schulgebäude ist wirklich schön, wenn manchmal auch etwas verwirrend strukturiert, und hat viel Sandfläche rundherum, die wir optimal für Physical Education nutzen können.

20170920_12084320170914_113355

Mittwochs bin ich dann morgens früh zum Staffmeeting, dass jeden Morgen um 7.10 Uhr stattfindet. Hier wird ein Text gelesen, gemeinsam gebetet und anschließend über anstehende Themen gesprochen. Anschließend habe ich gemeinsam mit dem Sportbeauftragten der Schule meinen Stundenplan zusammengestellt. In der Upper Primary werde ich gemeinsam mit einem Sportlehrer alle Klassen unterrichten. Die Sportstunden der Lower Primary, sie haben immer nur mit ihren Klassenlehrerinnen Unterricht, haben wir anschließend an meinen Stundenplan angepasst, sodass ich jetzt alle Klassen von 1-7 inklusive der Learning Support und der tauben Klassen einmal die Woche im Sportunterricht habe. Insgesamt sind es dann 27 Klassen, die normalerweise aus 35 bis 45 Kindern bestehen.

Danach habe ich versucht die Zeiten meines Stundenplanes zu verstehen. Allerdings waren die Zeiten auf meinem Plan falsch, weshalb ich den Bell Ringing Plan bekommen habe. Hier musste man allerdings beachten, dass für die 1.-4. Stunde die Zeit steht wann die Stunde beginnt und nach der Pause dann wann die Stunde endet. Das kriegt man aber doch recht schnell raus. Es wird dann noch komplizierter, weil Montag und Donnerstag morgens für die Upper Primary eine Versammlung ist und so alle Unterrichtsstunden bis auf die 8. (habe ich heute herausgefunden) nur noch 35 Minuten lang sind. Das Sahnehäubchen und die völlige Verwirrung war als mir gesagt wurde, dass die Lower Primary immer eine halbe Stunde vor den Großen und eine längere Pause hat und sich dementsprechend die Unterrichtszeiten verschieben. So ganz bin ich immer noch nicht durchgestiegen, aber ich schaffe es immer irgendwie pünktlich bei der nächsten Stunde zu sein.

Nach der Pause bin ich mit dem Lehrer der UP mit, um mir seinen Sportunterricht anzuschauen. Dieser bestand für Jungs aus Fußball kicken und die Mädels haben Klatschspiele gespielt, geredet oder gegessen. Und der Lehrer und ich haben daneben gestanden, zugeschaut und hin und wieder Streit geschlichtet.

Ab Donnerstag habe ich dann angefangen den Sportunterricht mit den Kids zu machen. Es ist doch ein komisches Gefühl wenn um die 40 Kindern wild durcheinander schreiend beim warmmachen hinter dir herrennen und du wenn du stehen bleibst deine eigene Sandwolke im Gesicht hast. Auch der Kreis zum Dehnen war dann doch ganz schön groß und man fragt sich, wie man mit so vielen Kids überhaupt Spiele spielen kann. Aber man gewöhnt sich ganz schön schnell daran! Dann rennen halt bei „Who is afraid of the lion?“ am Ende 40 Löwen auf die zwei übrig gebliebenen Kinder zu… Und von der Perfektion, wie man das Spiel richtig spielt, sollte man sich auch ganz schnell verabschieden. Das Staffelwettrennen hat mit den meisten Klassen doch erstaunlich gut geklappt. Auch wenn ich dazu gelernt habe, nachdem ersten Versuch bei dem die Kinder einfach Teams gewechselt haben, und eine Linie in den Sand gezeichnet habe, die man nicht übertreten durfte, weil man sonst disqualifiziert ist. Oder dass wir „Ice-Tag“ (ein Fangspiel) nicht mehr mit durch die Beine durchkrabbeln zum Befreien spielen, weil sonst die ganzen Klamotten (nur einige wenige bringen bis jetzt Wechselklamotten mit, die meisten machen in ihrer Schuluniform Sport) voll mit Sand sind. Außer es ist die letzte Stunde freitags. Da wurde es mir ausdrücklich von der Lehrerin erlaubt 😀

Mit den jüngeren Klassen sind wir oft wie Tiere zum warmmachen gerannt und ich musste feststellen, dass manche schlichtweg keine Schnecke kannten (oder mich nicht verstanden haben). Also waren wir einfach zweimal eine Schlange. Und ich habe gelernt was für ein Tier ein Cheetah ist. Auch wenn ich mich am Anfang gefragt habe, wer schon wieder gecheatet haben soll…

Erwähnenswert ist außerdem, dass diese Woche in ganz Namibia der Bildung von Tauben gewidmet wurde. Daher wurden in den Klassen Poster mit einfachen Gebärdenzeichen zum Verständigen in den Pausen aufgehängt. Außerdem kam bei der Morning Assembly am Montag mit der gesamten Upper Primary (um die 500 Schüler) die taube Klasse auf die Bühne und haben sich vorgestellt. Viele der Kinder waren neugierig und haben versucht die Gebärdensprache nachzuahmen. Der schönste Moment war für mich an diesem Morgen, als die Kinder gemeinsam ein Lied gesungen haben und die tauben Kinder gleichzeitig das Lied gebärdet haben. Beim Klatschen ist den Kindern dann aufgefallen, dass sie ja ihre Hände schütteln müssen um in Gebärdensprache zu klatschen, es wurde plötzlich ganz leise und sie haben ihre Hände begeistert geschüttelt. Und die tauben Kinder auf der Bühne haben richtig gestrahlt. Wie schön, dass das Inklusion hier so gut funktioniert!

20170918_074755

Besonders war für mich auch der Unterricht mit der Learning Support Klasse. An sich hat es wirklich gut geklappt, außer dass man gemerkt hat, dass beim Erklären von Spielen die Aufmerksamkeit sehr schnell wo anders war. Aber da in dieser Klasse nur 15 Kinder sind (es kam mir in dem Moment so wenig vor, weil ich mich gerade an die 40 Kinder gewöhnt hatte), konnte ich sehr gut damit umgehen und man hat gespürt wie viel Spaß die Kinder haben. Etwas schwierig für mich war ein Kind, dass nur 3 Worte spricht und wohl nicht wirklich rennen kann oder will. Am Ende hat es bei dem Staffellauf begeistert zugeschaut und ist sogar selbst einmal gerannt. Auch wenn es meistens unglücklich geguckt hat, hat es doch immer gelächelt wenn ich sie angelacht habe.

Direkt die Stunde danach ging es für mich zu der tauben Klasse. Hier werden 6 Kinder von einem tauben Lehrer unterrichtet. Mir wurde allerdings vorher zugesagt, dass während den PE Stunden eine Lehrerin zum Dolmetschen dabei sein würde. Als in die Klasse kam war sie allerdings noch nicht da und die Kinder haben versucht mir auf Gebärdensprache etwas zu sagen. Schließlich habe ich dann verstanden, dass sie in ein paar Minuten kommen würde und ich mich einfach hinsetzen soll. Bis dahin haben mir zwei Jungs beigebracht wie ich „Mein Name ist Paula“ gebärde und haben ihren eigenen Namen aufgeschrieben. Dann kam die Lehrerin und meinte, ich solle einfach schon einmal mit den Kindern vorgehen und sie komme nach. Also haben wir das Warm Up und das Stretchen einfach ohne Worte gemacht… Die Namen der Tiere als die sie rennen sollten, habe ich einfach in den Sand geschrieben. Es hat geklappt und wirklich viel Spaß gemacht! Auch wenn ich dann doch froh war, dass zum Spiel erklären die Lehrerin da war. Manchmal würde ich echt gerne wissen, was die Kinder mir alles so zu erzählen haben. Auch wenn es angenehm war, da es meine leisesten Sportstunden der Woche sind^^

Der Sand hat sich auch schon ausgezahlt, weil das Hinfallen dann nicht mehr so schlimm ist. Vorallem beim Rückwärtsrennen beim Staffellauf sind die Kinder der Länge nach hingefallen. Aber auf die Frage, ob sie lieber weiterspielen oder eine Pause machen wollen, haben sie sich meistens einmal über das Gesicht gewischt und sind wieder losgerannt. Und an den dauerhaften Sandkasten in deinem Schuh gewöhnst du dich auch. Auf dem Nachhauseweg bekomme ich immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert, weil alle Kinder zum Abschied winken und manche sogar aus Spaß ein Stück neben dir herrennen um zu zeigen, dass sie ja genauso schnell sind wie du.

20170922_100155

Nur ein paar Kinder beim Warmlaufen

20170914_11261220170918_13112020170914_13022520170922_111713

IMG-20170920-WA0002

Ich kann das Meer während dem Unterricht sehen.

IMG-20170920-WA0004

Ein kleiner Spaziergang in der Freistunde. Einfach unglaublich!

Was außerhalb der Schule noch so passiert ist?

20170918_150740

Das Training am Nachmittag läuft in seinen geregelten Bahnen 🙂 Eine kleiner Eindruck vom Warm Up…

Ich komme mittlerweile wieder einigermaßen auf mein Sportpensum, da ich mit Volleyball und Wing Chung (Selbstverteidigung) angefangen habe. Wing Chung machen wir mit Jens, bei dem die DRK Freiwilligen wohnen, auf einer Grünfläche neben den Strand und können jedes Mal beim Training den Sonnenuntergang genießen.

20170913_181524

20170920_180805

Hinten aufm Jeep drauf wenn wir zu viele sind 😉

Außerdem waren wir letzte Woche Freitag gemeinsam mit den DRK und Volunta Freiwilligen sandboarden und haben anschließend den Sonnenuntergang mit Blick auf das Meer genossen! Auch wenn man den Sand am Tag danach noch überall gefunden hat, hat es sich definitiv gelohnt. Und ich bin auch freiwillig 8 Mal die Dünen wieder hochgerannt. Ich habe es einfach als abendliches Workout angesehen…

Sonntagabend haben wir dann gemeinsam mit Ulla, ihren Söhnen und einem Jugendlichen vom Leichtathletik das erste Mal bei Bitsn Pizza gegessen. Hier gibt es rechteckige Pizzen, damit man auch jeden Platz des Pizzakartons mit Essen ausfüllt, die wirklich super lecker sind! Außerdem habe ich mit Max endlich mal wieder Cookies gebacken. Und auch ohne Vanillezucker, weil der hier viel zu teuer ist, waren sie genauso lecker wie in Deutschland!

20170917_193750IMG-20170917-WA0022IMG-20170917-WA0018

Und heute habe ich schließlich das erste Mal eine Eisdiele ausprobiert, aber an das Roma kommt sie einfach nicht ran… Also esst ein bisschen Eis für mich mit, solange noch Herbst bei euch ist.

Snapchat-258856631

Ein bisschen verdreht fühlt es sich aber doch auch an, wenn das Frühlingsspecial hier nur für September und Oktober gilt. Oder jetzt die neu eingetroffene Septemberware Bikinis und Sommerkleider sind…

Anschließend haben wir unser Wochenende noch mit den DRK Freiwilligen bei guter Musik, Nudeln, viel guter Laune und schlechter Witze ausklingen lassen.

Snapchat-1143842507

Ach und übrigens ist der erste Monat für mich auch schon rum…

Wie die Zeit verfliegt…

Advertisements

5 Gedanken zu “#7 Meine ersten Impressionen aus der Schule

  1. Hi Paula,
    Ich habe den Tipp zu deinem Blog von Georg, Papa von Lea Haas, Georg ist mein Bruder.
    Ich war im März für drei Wochen in Namibia und ich war auch in Swakopmund, in dem Backpacker in der Nähe von Dome. Skeleton beachten Backpacker… Wir waren nur zwei Tage dort aber es war echt cool. Sandboarden haben wir auch gemacht, megageil!! Nach der Quad Tour….
    Vieles von dem was du schreibst kann ich mir sehr gut vorstellen, weil ich eben vor nicht so langer Zeit dort war. Unsere Gruppe bestand auch aus Leuten, die sich über einen Verein sozial sehr stark in Namibia engagieren. Wir waren in einer soup kitchen und einen Waisenhaus in Katutura und auch in einer Schule im Grenzgebiet zu Angola, haben beim Anlegen eines Gartens in der Nähe von Okahandja geholfen….und das sind Erlebnisse gewesen die man nicht so schnell vergisst!!
    Und Swakopmund ist auch eine besondere Stadt, durch das Meer, die Wüste und auch durch die Historie.
    Das Land ist einfach so toll, dass ich sofort wieder hinfliegen könnte. 😀
    Ich lese deine Berichte sehr gerne und wünsche dir noch viel Spaß!!!
    Viele Grüße
    Felix

    Gefällt mir

  2. Ja Du hast Recht, wir waren gestern beim Roma und haben uns ein Eis geholt. Aber Deine Pizza sah ja auch nicht schlecht aus. Wie hoch sind denn die Dünen, auf denen Ihr sandboardet? Wie lange rutscht man denn da runter? Ist das wie beim Skifahren in Rezia Martina? Wir freuen uns jedes mal auf Deine neue Namibia-Folge. Die Jungs kicken und die Mädels essen?? Bis bald Paula. Liebe Grüße von Gabi und Tilo

    Gefällt mir

    • Hallo ihr Zwei:)
      Tut mir wirklich leid, dass ich erst jetzt antworte, aber vorher war einfach keine Zeit und das Internet hat nicht mitgespielt… Man rutscht so ungefähr 15-25 Sekunden die Dünen herunter und kriegt dabei schon gut Tempo drauf. Wie hoch das allerdings ist kann ich nicht sagen. Und ein bisschen fühlt es sich wie Schlittenfahren an nur dass man den Sand wirklich überall hat 😉
      Es hat schlichtweg vorher kein vernünftiger Sportunterricht stattgefunden an meiner Schule nach dem was ich gesehen habe. Aber das hat sich jetzt schon geändert 😉
      Leider schaffe ich es gerade nicht so viel zu schreiben, da ich hier so viel zu tun habe. Aber ich sehe es als gutes Zeichen. Und der nächste Blogbeitrag kommt bald!
      Liebe Grüße:)

      Gefällt mir

  3. Hallo Paula,
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Es hat dieses Mal ein bisschen gedauert, bis ich dazu gekommen bin, diesen zu lesen. Toll, was du da leistet. 40 Kinder zu betreuen, zu motivieren- Respekt!!!! Es sieht so aus, als hätten alle viel Spaß, trotz Sand in den Schuhen, auf der Kleidung und zwischen den Zähnen 😉.
    Die Schwimmsaison im Freibad ist hier leider vorbei und während sich bei mir so langsam der Winterspeck einschleicht, frage ich mich „neidisch“ auf wie viele Stunden Sport du am Tag kommst???
    Liebe Grüße von Cat 😚

    Gefällt mir

    • Hallo Cat!:) ich komme leider erst zum Beantworten deines Kommentars, weil letzte Woche so viel los war… Man gewöhnt sich tatsächlich an die Menge der Kinder und auch an die Tatsache, dass es meistens nicht so läuft wie du willst. Aber selbst wenn nur 35 von 40 Kindern mit Herzblut dabei sind, ist es auch schon viel wert..
      Am Anfang bin ich tatsächlich mit den Kindern noch mitgerannt, mittlerweile mache ich aber nur noch den Warm Up Kreis mit^^ Von daher ist es vormittags die Schulzeit und das Training am Nachmittag, die ich zumindest in Bewegung verbringe und abends dann manchmal noch mein eigener Sport. Aber so genau kann ich es dir gar nicht sagen. Liebe Grüße an euch 3 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s